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Ein Auszubildender der Volksbank Reutlingen berichtet

ÜBER SEIN EINWÖCHIGES SOZIALPRAKTIKUM IN EINER WOHNGRUPPE FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNG:
Am ersten Tag meines Sozialpraktikums war ich sehr gespannt darauf, was mich in der Wohngemeinschaft die nächste Woche erwarten würde. So ausführlich in den Vorbereitungsstunden auch der Sinn und Zweck dieser Zeit behandelt wurde, fühlte ich mich dennoch etwas unsicher in ein völlig fremdes Haus hineinzuspazieren und nun konkret auf Leute einzugehen. Denn was genau sollte das überhaupt bedeuten? Ich wusste noch gar nicht, wie es in einer solchen Wohngemeinschaft vor sich ging.

Zunächst ging ich ziemlich vorsichtig auf die Leute zu. Allerdings hatte ich es mir einfacher erhofft, da es immer geheißen hatte, Menschen mit Behinderung seien sehr offen. Diese schienen anfangs jedoch genauso wenig mit der Situation anfangen zu können, einen Fremden bei sich zu haben, was mich etwas beunruhigte. Trotz dieses schwerfallenden Einstiegs hatte ich nach kurzer Zeit "meinen Platz" gefunden und mit mehreren Leuten ein Gespräch begonnen. Es war mehr als ein einfacher Smalltalk. Sie hatten mich in ihre Gemeinschaft aufgenommen, da ich offensichtlich längere Zeit mit ihnen verbringen würde.

Damit war zugleich der Grundstein für eine wunderbare Woche gelegt, die ich niemals vergessen werde. Eine Woche, in der ich erfahren habe, wie einfach es sein kann, ehrlich und freundlich miteinander umzugehen, sich gegenseitig zu unterstützen, soweit es möglich ist und vor allem, sich über "Kleinigkeiten" zu freuen. Mir waren Menschen begegnet, die bereit waren, alle anderen als Freunde in ihr Herz zu schließen und die Feindseligkeit nicht kannten.

Meine Aufgaben habe ich mir quasi selbst ausgesucht, da mir keine Vorgaben gemacht wurden. So sehr mich diese Situation verunsichert hatte, so wurde mir allerdings schnell klar, dass Vorschriften, trotz der unterschiedlichsten Arbeitsaufträge, die sich spontan ergaben, nicht notwendig waren. Der angenehmste Teil war für mich die Freizeitgestaltung in dieser Woche. Wir haben viel zusammen unternommen, wie z.B. Eisessen, Bummeln in der Stadt, Fußballspielen, zusammen Kochen usw.

Ein wichtiger Aspekt war Geduld! Insgesamt habe ich in dieser Woche erkannt, dass eine solche Wohngemeinschaft wesentlich mehr als nur eine Unterkunft ist. Für die Menschen, die dort leben, ist es eine Lebensgemeinschaft, wie eine Familie. Man geht freundlich und respektvoll miteinander um, sagt sich jedoch auch ehrlich die Meinung, selbst wenn es zu Streitereien führt, auch das gehört zum Umgang mit Menschen.

Das waren nun ein paar grundlegende Erfahrungen, die ich während meines Sozialpraktikums gemacht habe. Doch es gibt noch viel mehr, was ich gar nicht alles aufschreiben kann. Abgesehen davon, dass es viel zu lange dauern würde, könnte doch niemand, die nicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat, verstehen, wovon ich rede. DIESE ERFAHRUNGEN MUSS JEDER SELBST MACHEN! Die Belohnung kommt danach, wenn dich mehrere liebenswürdige Menschen nicht mehr loslassen wollen und dich bitten, wiederzukommen. Dann belächelst du noch deine Hemmungen, die du tatsächlich einmal gehabt hattest und denkst daran, wieviele Menschen du in solch kurzer Zeit lieb gewonnen hast und zugleich, wie bedeutend du selbst für diese Menschen geworden bist.

Ich bin zwar nicht mit einer negativen Einstellung, aber doch mit einer gewissen Gleichgültigkeit in dieses Praktikum gegegangen, da ich es machen MUSSTE. Aber ich bin mit einer solchen Begeisterung wieder zurück gekommen, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Es ist eine lohnenswerte Erfahrung mit Menschen mit Behinderung zusammen zu sein. Denn sie genießen das Leben wie kaum ein anderer und sehen sich als selbstverständlich, SO WIE SIE SIND. Das ist der Grund, weshalb ich diese Menschen besonders schätzen gelernt habe.

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