"ZIVI IM EINSATZ"

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Zivildienstleistender Philotheus Nisch (2. v. l.)

 

Ein Zivildienstleistender berichtet über seine Teilnahme am Theaterprojekt „und die Liebe währet ewig…“

"Durch etwas Glück kam ich bei der Zivistellensuche ohne Umwege in die Kreativwerkstatt der Bruderhausdiakonie und konnte schon einen Monat nach meinem Hospitationstag im Dezember hier beginnen. Mit der Gruppe zusammen zu arbeiten ist trotz oder gerade wegen der vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Fähigkeiten meistens sehr unkompliziert und macht riesig Spaß.

Eines Tages war dann vom Theater die Rede und kurze Zeit später war ich bei der ersten Probe dabei. Paul Siemt, unser Theaterregisseur, knuddelte zur Begrüßung voller Vorfreude die ganze Mannschaft durch und strotzte ab der ersten Probe vor Enthusiasmus. Dadurch steckte er wirklich alle in der Gruppe an und entfachte eine Vorfreude darauf, was später auf uns zukommen sollte.

Wir alle hatten im Hinterkopf, dass dann „irgendwann mal im Sommer“ ein Theaterspaziergang aufgeführt werden sollte. Doch eine Vorstellung, was für eine Rolle wir darin spielen, hatte ich noch nicht.
Wichtiger war es, denke ich, für alle erstmal zu spielen und so wurden Rollen verteilt, Arrangements erstellt, Betonungen und Phrasierungen festgelegt.

Zwei Wochen später, bei der nächsten Probe, fehlten dann einige Beschäftigte, neue Praktikantinnen waren gekommen und so wurde spontan alles verworfen und neu begonnen. Das klingt nun ziemlich demotivierend, das war es vereinzelt auch, jedoch bewirkte es meiner Meinung nach, dass sich erst jetzt jeder Schauspieler der Gruppe viele Gedanken zum Stück machte, verbessern wollte und Ideen einbrachte. Davon gab es viele und Paul baute ohne zu Zögern alles ein.
Was mich sehr faszinierte, war die Art und Weise der Beschäftigten, in eine Rolle zu schlüpfen und mit ihr völlig unbeschwert zu spielen und auszuprobieren: Was kann man aus diesem Satz machen? Ist das überhaupt genau so gemeint? Welche Gestik passt gut? Oder auch nicht? Ironie? Alles Schwachsinn?

Die ersten Auftritte mit unserem Dialog über Gustav Werners Jugend kamen zuerst auf der Weihnachtsfeier der Mitarbeiter/-innen und anschließend in der Listhalle vor 800 Gästen.
Die Euphorie jedes einzelnen und das anschließende Abendessen nach den Auftritten motivierten alle ungemein.
Immer öfter waren wir zu dieser Zeit von Fernsehkameras und Fotografen bei den Proben umgeben. Wir spielten unsere Szenen an den Originalschauplätzen, bekamen Kostüme und so langsam konnten wir alle die beachtliche Größe des ganzen Theaterspaziergangs erahnen.
Wir wurden immer sicherer und begaben uns sogar bei der alltäglichen Arbeit oft in unsere Rolle. „Das gibt’s doch gar nicht!“
Manche der Beschäftigten hatten zwischenzeitlich auch mit Aufregung und Ängsten zu kämpfen. Gruppenleiterin, Praktikantinnen, ich, und die ganze Gruppe versuchten dann, den Druck soweit wie möglich abzunehmen, so dass die Spielfreude wieder zurückkam.
Die ersten Auftritte kamen und mit ihnen verschwand die Aufregung bei uns allen immer mehr, es wurde Routine.

Jetzt, nachdem alles vorbei ist, wieder „normal“ zu arbeiten, war sehr ungewohnt und wir merken deutlich, dass etwas fehlt.

Und noch etwas: Das Stück wurde ein riesen Erfolg. Es hat dem Publikum sogar so gut gefallen, dass drei weitere Auftrittstermine angesetzt wurden."

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