Dettingen. Michael Kamrad ist als letzter Zivi bei der Bruderhaus-Diakonie quasi ein Auslaufmodell. Steffen Maurer folgt ihm nach. Der 19-Jährige macht in der WfbM nun ein "Freiwilliges Soziales Jahr".
Das Positive überwiegt bei ihm im Rückblick auf seinen Zivildienst. Nur eins empfand er als negativ: Wenn ein Epileptiker einen Anfall hat, "das ist schon hart", sagt er. Davor hat auch Steffen Maurer aus Degerschlacht ein wenig Bammel: Weil er nicht weiß, wie er sich dann verhalten soll. Am 1. September hat er sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Werkstatt in Dettingen begonnen. Auch ihm gefällt die Tätigkeit dort, vor allem der Kontakt mit behinderten Menschen, den er genauso wenig wie Michael Kamrad zuvor hatte. Ein wenig Berührungsängste waren bei beiden da, doch die Bedenken legten sich schnell: "Weil sie offener sind, ist der Umgang mit behinderten Menschen oftmals sogar leichter", sagen beide.
Steffen Maurer war sich nach dem Abitur nicht ganz klar, was er beruflich anfangen soll. Kurz habe er mit dem Gedanken gespielt, eine Weile ins Ausland, vielleicht nach Australien, zu gehen. Letztlich hatte er aber den Entschluss gefasst, sich sozial zu engagieren. Auch er hat den Schritt nicht bereut, fühlt sich wohl in der Werkstatt, ist wie Michael Kamrad sowohl für die Betreuung der behinderten Menschen mit zuständig, für die Produktion und den Überblick.
Zu den besten Zeiten hatte die Bruderhaus-Diakonie in der Werkstatt für behinderte Menschen in der Dettinger Wilhelm-Maybach-Straße bis zu acht Zivildienstleistende. In den vergangenen Jahren ging die Zahl immer mehr zurück, sagt Werkstattleiter Albert Herb. Nun, nach der Aussetzung der Wehrpflicht, fällt der Zivildienst ganz weg. Eine äußerst schwierige Situation, so Herb. "Wir versuchen das mit verschiedenen Maßnahmen auszugleichen."
Der Werkstattleiter hofft zum einen auf mehr FSJler, von den neu geschaffenen Stellen im Bundesfreiwilligendienst verspricht er sich nicht so viel. "Das muss sich erst einspielen und rumsprechen", so Herb. Weil die Anzahl der neuen Freiwilligen den Wegfall der Zivis nicht ausgleichen kann, müsse zum Teil die Produktion umgestellt werden. "Weil die Arbeit, die bisher der Zivi geleistet hat, jetzt meist von den Gruppenleitern übernommen werden muss."
Ein solcher Gruppenleiter im Metallbereich ist Fred Schapper. Offensichtlich mag er seine behinderten Mitarbeiter, weniger aber, dass er für immer mehr zuständig sein soll. "Wenn mal einer einen epileptischen Anfall hat, dann sind locker zwei Mann mit ihm zwei Stunden beschäftigt." Weil der Zivi bislang da war, sei das kein Problem gewesen. Wenn Michael Kamrad aber in wenigen Tagen geht, könnte es zu einem werden. Zumal die Zivis auch die Qualität der Arbeit im Auge hatten. Und denen beim Essen geholfen haben, die ihre Mahlzeit nicht selber holen oder das Essen klein schneiden konnten.
Die Kurierfahrten zu den Kunden waren laut Herb bisher Zivi-Arbeit. "Jetzt müssen wir sehen, wie wir das organisieren." Eine Spedition zu beauftragen ist eine Möglichkeit, die allerdings Geld kostet. Und das ist auch in der Einrichtung knapp. "Wir dürfen aber natürlich die Betreuung der Menschen hier nicht vernachlässigen" - was im Normalfall auch noch gelinge. "Wenn dann aber ein Mitarbeiter ausfällt, mal krank ist, dann wirds ganz schwierig", sagt Schapper. Und die Kunden wollen und brauchen natürlich bei den Produkten die gewohnte Qualität. Da können keine Abstriche gemacht werden. Für Michael Kamrad waren die Erfahrungen in Dettingen gut. "Man hat hier das Gefühl, man wird gebraucht und bekommt auch Anerkennung."

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